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Kategorie: > Wissenschaft > Wasserqualität
Opferanode bringt Aluminium ins Trinkwasser?
Schneehasi
(Mailadresse bestätigt)

  15.02.2017

Hallo Foristen,

Nach mehr als 25 Jahren ist bei uns ein neuer Warmwasserspeicher notwendig. Für den neuen Speicher wurde eine Magnesium-Opferanode mitgeliefert. Da ich gegenüber „Neuerungen“ manchmal etwas kritisch eingestellt bin, hab ich ein bisschen recherchiert, und bin dabei auf folgendes Problem gestoßen: Die angeblich den strengen lebensmittelrechtlichen Bestimmungen genügenden Magnesiumlegierungen dieser Anoden enthalten scheinbar zwischen 5 und 7,5% Aluminium. Das Aluminium gesundheitlich bedenklich ist, bezweifelt wohl kaum noch jemand ernsthaft.
Da hab ich dann mal angefangen zu rechnen: Die Anode enthält also bei ca. 800g Gewicht zwischen 40 und 60g Aluminium, dass sich wohl mit dem Verbrauch der Anode über 2 bis 5 Jahre ins Wasser mischt. Unser fünfköpfiger Haushalt braucht etwa 50m3 Warmwasser pro Jahr. Damit ergibt sich je nach Standzeit der Anode ein Aluminium-Gehalt zwischen 0,2mg (bei 5 Jahren)  und 0,5mg (bei 2 Jahren) je Liter zusätzlich zu dem Aluminium, was natürlich im Wasser vorhanden ist und dem, was bei der Wasseraufbereitung im Wasserwerk zugesetzt wird. Es ist also auf jeden Fall mehr Aluminium im Warmwasser als von der WHO und er EU als Grenzwert für Trinkwasser festgelegt wurde (0,2mg). In Frankreich wurde in einer 15-jährigen Studie festgestellt, dass die Gefahr an Alzheimer zu erkranken bereits mehr als doppelt so hoch ist, wenn das Trinkwasser mehr als 0,1mg Aluminium enthält. Jedenfalls ist das Wasser aus meinem neuen Speicher dann wohl definitiv nicht mehr als Trinkwasser geeignet. Nun trinke ich natürlich nicht regelmäßig warmes Wasser. Aber wenn man es eilig hat, kommt schon mal heißes Wasser in den Wasserkocher oder wird zum Nudeln kochen verwendet. Dann bleibt noch Duschen, Baden, Zähneputzen … .
Merkwürdig ist, dass das Problem scheinbar bisher niemand erkannt hat. Vielleicht hab ich mich auch verrechnet? Oder die Informationen zur Zusammensetzung der Anode, die ich finden konnte, stimmen nicht. Hat jemand eine Meinung oder idealerweise fundiertes Wissen zu diesem Problem? Gibts eigentlich eine DVGW-Zertifizierung für diese Opferanoden?

Vielen Dank
Schneehasi



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 5
Bernhard Schmitt
berndschmitt1aol.com
(Mailadresse bestätigt)

  22.02.2017
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Schneehasi vom 22.02.2017!  Zum Bezugstext

Hallo Schneehasi,
die Verwendung von aluminiumhaltigen Flockungsmitteln ist seit Jahrzehnten Stand der Technik und auch zulässig. Nur darf nach der Aufbereitungsstufe der Grenzwert von 0,2 mg Al / l nicht überschritten werden. Aluminiom ist aber als Opferanodenmaterial nicht aufgeführt und aus meiner Sicht demnach auch nicht zulässig.
Ein anderes Beispiel: Einige Hersteller von Enthärtungsanlagen haben für einen Teil ihrer Anlagen Magnesiumchlorid zur Regeneration verwendet, das aber auch nicht in der UBA Liste aufgeführt ist.
Noch ein Beispiel:
Biozide müssen bei der BAuA registriert sein, ansonsten dürfen sie nicht vertrieben werden. Ich habe beieinem dieser Produkte festgestellt, dass dieses nicht registriert war und bei der BAuA nachgehakt, ob das für den Verkäufer Konsequenzen habe, z.B. dergestalt, dass man diesen zur Registrierung auffordert. Die Sache ist jetzt mehr als ein Jahr her, Reaktion: Null.
Für mich heißt das abschließend, dass solche Vorschriften ungestraft nicht nicht beachtet werden können.
Schneehasi
(Mailadresse bestätigt)

  22.02.2017
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Bernhard Schmitt vom 21.02.2017!  Zum Bezugstext

Hallo Bernhard,

ein bisschen Angst, dass ich mit meiner „Opferanodenphobie“ ein Phantom jage, habe ich schon. Was Du schreibst, lässt mich jedoch vermuten, dass hier tatsächlich ein bisher nicht erkanntes Problem existiert.
Wohl abhängig von der Herkunft des Wassers werden unterschiedliche Mengen Aluminiumsulfat als Flockungsmittel bei der Trinkwasseraufbereitung verwendet. Ob das in 20 Jahren noch so sein wird, werden wir sehen. Ich hoffe einfach mal, dass die Wasserwerke bis dahin verantwortungsvoll damit umgehen. Ich will deswegen nicht zum Revolutionär werden, zumal die zugesetzten Mengen wohl meist sehr gering sind. Im Gegensatz dazu bringt die Opferanode jedoch eine große Menge Aluminium ins Wasser. Ob bzw. warum Aluminium in der Anode sein muss, kann ich nicht beurteilen. Da müsste man einen Metallurgen fragen. Auch den Hersteller der Anode wir man wahrscheinlich nicht fragen können. Nach meinen Recherchen kommen die alle aus China. Dafür spricht auch der Preis von meist weniger als €20. Gespannt bin ich aber auf die Meinung des Speicherherstellers zu dem Problem. Da hab ich gestern freundlich angefragt, was sie zu dem Aluminiumproblem sagen. Es gibt aber noch keine Antwort.

Gruß
Schneehasi


Bernhard Schmitt
berndschmitt1aol.com
(Mailadresse bestätigt)

  21.02.2017
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Schneehasi vom 20.02.2017!  Zum Bezugstext

Hallo Schneehasi,
ich habe mal in der Liste der Aufbereitungsstoffe und Desinfektionsverfahren gem. $ 11 der Trinkwasserverordnung, Stand Oktober 2015, nachgesehen. Da sind die Stoffe aufgeführt, die dem Trinkwasser zugesetzt werden dürfen.
Aluminium ist in verschiedenen Verbindungen erlaubt, i.d.R. als Flockungsmittel, gelegentlich versehen mit dem Hinweis, dass nach der Aufbereitung der Grenzwert der TVO einzuhalten ist.
Als Bestandteil einer Opferanode ist es nicht aufgeführt.
Hingegen ist die Magnesiumanode zum Korrosionsschutz im Warmwasser aufgeführt.
Ich interpretiere das so: Aluminiumhaltige Opferanoden sind nicht zulässig.
Wenn man die weitläufige Definition des Trinkwassers ansieht: ...alles Wasser, das zum menschlichen Gebrauch vorgesehen ist...
ist Warmwasser auch ein Wasser, das bezüglich seiner Inhaltsstoffe der TVO entsprechen muss.
Du kannst den Hersteller der Anode ja mal damit konfrontieren. Ich bin gespannt auf seine Reaktion.
Gruß Bernhard Schmitt
Schneehasi
(Mailadresse bestätigt)

  20.02.2017
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Renrew vom 15.02.2017!  Zum Bezugstext

Hallo Renrew,

abhängig von der Größe des Warmwassersystems kann man da wohl Unterschiede machen. Bei einem Mehrfamilienhaus oder Bürogebäude mit Zirkulationsleitung, großem Warmwasserspeicher, eventuell weit entfernten und selten oder nie genutzten „Zapfstellen“ sowie zweifelhafter Verrohrung (Bildung von Biofilmen) würde ich auch sehr an der Eignung als Trinkwasser zweifeln. Wir haben keine Zirkulationsleitung, einen kleinen Speicher und die entfernteste Entnahmestelle ist gerade 8m vom Speicher entfernt. Bei unserem Warmwasserverbrauch liegt die durchschnittliche Verweildauer des Wassers im Warmwassersystem bei 40 Stunden.
Einfach zu sagen, Wasser aus dem Warmwasserspeicher ist kein Trinkwasser, geht meiner Meinung nach an der Realität vorbei. Ich hab mal bei den Arbeitskollegen eine (nichtrepräsentative) Umfrage gemacht: Fast alle haben bestätigt, zumindest hin und wieder warmes Leitungswasser zum Kochen zu verwenden.
Wir haben jedenfalls zwischenzeitlich entschieden, die Anode nicht einzubauen, auch wenn damit die Gerätegarantie erlischt. Außerdem werde ich mich mal mit der Frage nach Aluminiumgehalt und Trinkwasserqualität an den Hersteller des Speichers wenden. Mal sehen, ob was berichtenswertes dabei herauskommt.

Gruß
Schneehasi
Renrew
(Mailadresse bestätigt)

  15.02.2017


Hallo Schneehasi,

deine überschlägige Rechnung ist richtig und deine Bedenken sind sicher nicht von der Hand zu weisen. Aber aus gutem Grund ist ein Kriterium für Trinkwasser, dass es kühl ist und zum Genuss anregen soll sowie geruchlich und geschmacklich einwandfrei ist.
Abgestandenes Wasser aus dem Boiler ist, selbst wenn man es kühlt, kein Trinkwasser mehr.
Das Umweltbundesamt sagt zu diesem Thema:

Warmes Wasser aus der Warmwasserleitung zu trinken ist nur bedingt empfehlenswert. Denn es hat sich durch die Zirkulation im Warmwassersystem länger in den Rohren aufgehalten. Die Zirkulation ist notwendig, damit es überall heiß genug aus dem Wasserhahn kommt, um Legionellenbildung zu vermeiden. Andererseits können sich aber je nach Leitungsmaterial Stoffe lösen. Auch wenn die Mengen gering sind, sollten Sie für die Zubereitung von Lebensmitteln stets frisches Wasser aus dem Kaltwasserhahn verwenden.

http://www.umweltbundesamt.de/themen/trinkwasser-das-beste-lebensmittel

Gruß, renrew



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