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Kategorie: > Wissenschaft > Wasserqualität
Panikmache
Gast (Dr. T. Koeckritz)
(Gast - Daten unbestätigt)

  04.06.2004

Sehr geehrter Schreiber des xxxxxxx (Name wurde auf Wunsch des Forumsschreibers unkenntlich gemacht,Klaas 2012) Beitrages,

ich erlaube mir einmal zusammenfassend auf Ihre Beiträge einzugehen.

Es ist natürlich einfach die Ergebnisse einiger Wissenschaftler zu sammeln, um daraus ein apokalyptisches Szenario zu formen, welches innerhalb dieses Forums genutzt wird, um die Angst der Menschen zur Kundenakquisition für all die „innovativen“ Wasseraufbereitungstechnologien zu nutzen.

Ich nehme es gleich vorweg, dass ich weder für eine Trinkwasserlobby o.ä. arbeite, sondern freiberuflicher Unternehmensberater und Umweltwissenschaftler bin. Als solcher ist mir die Trinkwasserverschmutzung bekannt, ich kenne aber auch Ursache, Wirkung und weiß um den regionalen bezug von Trinkwasserverschmutzung. Hiernach ist es nicht möglich, die von Ihnen beschriebenen Probleme über die gesamte Bundesrepublik zu mitteln und für allgemeingültig zu erklären. Diese Aussage bezieht sich insbesondere auf Schadstoffe, wie z.B. Blei. Wenn jemand einen Blei-Verdacht in seinem Trinkwasser hat, dann kann er sich an das örtliche Gesundheitsamt oder Wasserwerk wenden. Diese messen das Blei in Ihrer Wasserleitung manchmal sogar UMSONST, jedenfalls aber zu sehr viel geringeren Preisen, als in den oftmals offerierten Angeboten. Wenn Sie dann Blei in Ihrem Wasser haben, können Sie sich entweder an den Vermieter wenden (Rohrwechsel gesetzl. Festgeschrieben) oder sie lassen das Wasser morgens einfach 20 Sekunden laufen. Dann ist das Blei, welches sich in der Leitung gelöst hat verschwunden. Raucher können dies übrigens vernachlässigen, da die Bleimenge, welche sie aufnehmen viel höher ist als das Blei aus der Wasserleitung.

Fazit: Wären die Menschen aufgeklärt, dann hätten all die „innovativen“ Produkte überhaupt keine Chance!

Die von Ihnen zitierte Literatur ist natürlich ein probates Mittel der Panikmache, zumal sie keine Möglichkeiten aufzeigt, wie sich der Verbraucher effektiv gegen Gefahren schützen kann. Auf diese Weise wurden nach Tschernobyl Jodtabletten und nach dem 11. September ABC-Schutzmasken gekauft. Man könnte sein Geld genauso gut verbrennen.

Das von Ihnen gezeichnete Resümee setzt der Verantwortungslosigkeit dann auch die Krone auf, indem Sie individuelle Haushaltslösungen als gerechtfertigt darstellen.
Dies ist sowohl politisch als auch wasserwissenschaftlich nicht korrekt und schon gar nicht praktikabel, da wirklich wirksame Systeme viel zu teuer wären.

Durch den Zwanganschluss an eine Fernversorung entnehmen wir unser Wasser von einem Dienstleister, den wir bezahlen. Wir können daher doch wohl verlangen, dass dieser seinen Job ordentlich macht und uns ein einwandfreies Produkt zur Verfügung stellt. Dies tut er auch im Rahmen der TVO und nur der Dienstleister ist in der Lage einen Service zu bieten, der darüber hinaus geht. Warum? Weil er die Mittel, das Know-how, die Fachleute und das Geld dafür besitzt.
Wasseraufbereitung ist und bleibt eine professionelle Arbeit, welche nicht über eine zweiwöchige Verkaufsschulung erlernbar ist. Den Beweis dafür finden Sie in diesem Forum, wenn all die Innovationsproduktevertreter nicht in der Lage sind, auf einfache Kinderfragen eine adäquate Antwort zu geben.
Die Wasserwerke kennen ihre Probleme und publizieren diese auch und finanzieren Forschung. Gleiches gilt für das Umweltbundesamt etc.. Diese Literatur ist übrigens frei zugänglich und dient der Suche nach Problemlösungen, jedoch nicht der Panikmache.

Es passiert also etwas und den Unsicheren sei gesagt: Trinken Sie Natürliches Mineralwasser aus den tiefsten Ihnen bekannten Quellen bis die Wissenschaft echte Lösungen gefunden hat, die auch bezahlbar sind. Die bisherigen Lösungen sind derart aufwendig, teuer und wartungsintensiv, dass sie nur von Fachleuten betrieben werden können!!!!!!!

Nun noch einige Bemerkungen zu Ihren Aussagen:

Ihre Aussage:

2.6 Hormonähnlich wirkende Substanzen
Eine Reihe von Substanzen, die im Trink- und Rohwasser vorkommen können, haben Wirkungen, die denen weiblicher Geschlechtshormone (Östrogene) entsprechen (Hormone, Phtalate, Pestizide, PCB, etc.). In vielen Flüssen werden deswegen zunehmend weibliche Fische geboren (In der Berliner Havel bereits 70% weibliche Fische). Die Klär- und Wasserwerke können diese Substanzen nicht, oder nur unvollständig ausfiltern, da das einzige hierzu geeignete Filtermedium, Aktivkohle,  normalerweise aus preislichen Gründen nicht verwendet wird.

Stimmt nicht! Aktivkohle ist kein Allheilmittel, welches alle organischen Substanzen adsorbiert. Dies ist eine Vertreteraussage! Aktivkohle wird sehr wohl in Wasserwerken eingesetzt und ist auch bezahlbar!

Ihre Aussage:
Waschaktive Substanzen (Tenside) werden zwar regelmäßig auf ihr Vorkommen im Trinkwasser kontrolliert, nicht jedoch ihre z.T. erheblich giftigeren Abbauprodukte (Kat). Die gesundheitlichen Wirkungen von Tensiden sind bislang kaum erforscht.

Stimmt nicht! Tenside finden sich sogar schon in der europäischen Abwasserrichtlinie, welche moderner als die TVO ist.

Mineralwässer können radioaktiv mit Radium und Strontium belastet sein, wie aus einer Untersuchung des Bundesgesundheitsamt (VZ2) hervorgeht. Die Werte lagen bei weniger als 1 mBq/l bis zu 1780 mBq/l.

Diese Elemente sind natürliche Mineralauswaschungen. Wenn diese giftig wären, dann würden im Erzgebirge keine Menschen mehr leben. Reine Panikmache!

Mit freundlichen Grüßen

TK


Dieser Beitrag wurde nachträglich editiert!



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 4
Gast (H2O)
(Gast - Daten unbestätigt)

  26.10.2004
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von J. R. vom 26.10.2004!  Zum Bezugstext

Hallo Herr Ruffer,
anstatt den geschätzten Herrn Koeckritz zu kritisieren hätten Sie sich mal besser selber schlau gemacht.
Unzweifelhaft wird das gepresste Filterbrikett Schwebstoffe besser filtrieren als ein Schüttbett aus Aktivkohle. Das ist aber nicht Sinn und Zweck der Aktivkohle, hierzu könnten Sie auch beliebige andere Filtermaterialien verwenden. Die Ausführungen von Herrn Koekritz berschreiben das Adsorbtionsverhalten organischer Stoffe an der großen Aktivkohle-Oberfläche. Ein Schüttbett ist dazu wesentlich geeigneter als ein Pressling, weil eben nur geringe Bevorzugung der Durchströmung stattfindet. Wo kein Widerstand ist besteht auch nicht die Notwendigkeit auszuweichen. Zudem sind die Oberflächen z.B durch Aufschwemmen, Aufrühren, Rückspülen ständig neu orientierbar. Will mal wissen wie Sie das mit dem Schwiermuttertauglichen Presskuchen hinkriegen.
Der beschriebene Effekt von bevorzugter Durchströmung verstärkt sich mit der Pressung.

schönen Gruß
H2O
Gast (J. R.)
(Gast - Daten unbestätigt)

  26.10.2004

Hallo Herr Koekritz,
zum Thema Aktivkohle ist zu sagen, daß hier erhebliche Unterschiede des Filteraufbaus zu berücksichtigen sind.
Der Beitrag von B. Kutsch beschreibt einen hochtechnisierten Aktikkohlefilter, bei dem die Kohle gepreßt ist (theoretische Membrandurchlässigkeit < 0,2µm) und über mehrere Filterstufen verfügt, die schalenförmig um den Kohlekern angeordnet, ihrer Aufgabe gerecht werden.
Die Billigfiltersysteme setzen aber nicht auf gepreßte Aktivkohlestufen, sondern verwenden Schüttverfahren. Das Wasser sucht sich entlang der "Korngrenzen" den Weg des geringsten Widerstandes und kann hier nur von einem Grobfilterverfahren gesprochen werden. Desweiteren ist dieses Filtersystem im Wasserstrom arbeitend, es kann keine Aufkonzentration der Filterfüllmenge wie bei den ach so schönen Britta-Standfiltersystemen passieren.
Zuguterletzt:
Die Prüfverfahren der Wasserwerke udgl. sind aus Kostengründen auf eine kleine Liste von Stoffen beschränkt. Auf diese Liste bezieht sich dann die Aussage der Qualität ohne Offenlegung der Prüfkriterien und der Stoffliste! Und alles ist dann mit dem Segen von TÜV als werbeaktiver Aufkleber :-))) vernebelt. Die Technische Beschreibung des Baumann Kutsch System ist von der Größe und Dicke schon Schwiegermuttertauglich *g* und die prüfende internationale Institution ist NSF, die erhebliche schärfere grenzwerte ansetzt als TÜV & Co.

Die Technische Beschreibung kann gerne bei uns angefordert werden!

Infos zu NFS siehe im Internet unter www.nsf.gov (englischsprachig!)

Lieber Herr Koekritz: Also erstmal informieren und
dann Bewertungen abgeben, die auch qualifizierte Aussagekraft haben. Das sollte bei einem Doktor doch zum Basiswerkzeug gehören, oder?

Gruß
j.R.

Dieser Beitrag wurde nachträglich editiert!
Gast (Gerold Haberle)
(Gast - Daten unbestätigt)

  07.06.2004
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Herbert Schremmer vom 04.06.2004!  Zum Bezugstext

Gebe in vollkommen Recht!!

Manche Firmen müssen anscheinend wirklich nur "Panikmache" betreiben um aus Ihren Produkten die sie hier krampfhaft anbieten, verkaufen zu können.
Menschen mit logischem Verstand und Realisten fallen nicht auf solche "Panikmacher" herein.

Diese hier krampfhaft anzubietenden Produkte müssen höchstwahrscheinlich die totalen "Ladenhüter" sein:
1.) Kennt kein Mensch diese Produkte
2.) Nirgendwo in der üblichen Fernsehsendung wird auf derartige Produkte darauf hingewiesen und
3.) Ist das Trinkwasser in Deutschland in einwandfreiem Zustand

Aber wie ja alle wissen:
Jeden Tag steht irgendwo in dieser Welt ein Dummer vor der Tür. Und genau die werden hier gesucht für dieses Produkt.
Gast (Herbert Schremmer)
(Gast - Daten unbestätigt)

  04.06.2004

Hallo,
dem "Wasser-Forum" kann man zu dem Beitrag von Dr. Koeckritz nur gratulieren. Endlich ein fundierter Beitrag, der versucht, die Fakten zu versachlichen und nicht denen Vorschub leistet, die sich mit dem Trinkwasser ein zusätzliches Geschäft erhoffen.
Blei: Wie ist dieses Thema aufgebauscht worden ("Blei macht dumm"). Zwar liefern die Wasserwerke praktisch bleifreies Wasser, doch kann das Schwermetall Blei wegen der früher durchaus üblichen Hausinstallation mit Bleileitungen vom Trinkwasser aufgenommen werden. Eingehende Studien haben aber nachgewiesen, dass selbst der beabsichtigte neue Grenzwert von 0,01 mg Pb/l (ab Dez. 2013) bei Haushaltungen mit Bleileitungen nur in weniger als 10 % der Fälle überschritten wird. Über 90 % der in Frage kommenden Haushalte können also durchaus bei ihrer Installation bleiben. (Aber natürlich, verantwortliche Eltern mit Kleinkinder werden sich über Blei informieren, wozu der Wasserversorger seine Hilfe anbietet.)
Möglicherweise werden wir in der Zukunft auch eine Diskussion über Kupfer bekommen. Auch hier liefert das Wasserwerk praktisch kupferfreies Wasser. Aber durch die Hausinstallation kann es (besonders durch Stagnation) zu erhöhten Werten kommen, die sich evtl. (Kleinkinder) nachteilig auswirken können.
Zu den Arzneimittelrückständen wäre anzumerken, dass lt. einer Studie des Technologiezentr. Wasser, Karlsruhe, zwar durchaus ein verbreitetes Auftreten in Oberflächen, Grund- und Rohwässer festzustellen ist. Jedoch sind Trinkwässer (noch) wenig belastet. Wir haben in dieser Hinsicht sicherlich kein Trinkwasserproblem, doch sind Auswirkungen auf Umwelt und Gewässer (Östrogene, Antibiotika) möglich. Für unsere Wasserwerke ergeben sich einige Forderungen, die auch intensiv verfolgt werden.
Aber schon Luther prangerte an: Angst verkauft sich gut".
MfG    Schr.



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