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Kategorie: > Technik > Wasserverbrauch / Zähler / Rohrbruch
Wassersparen um jeden Preis?
Gast (Hein)
(Gast - Daten unbestätigt)

  30.07.2006

Sonntag, 30.07.2006 - RTL2 - Welt der Wunder
(Mal wieder) vorgestellt wurde das sog. INTAQUA-System, welches vor einiger Zeit den (RTL?-)Innovationspreis bekommen hat.
Damit soll man in einem normalen Haushalt bis zu 90% (95%?) des 'wertvollen' Trinkwassers einsparen können. Zitat des Moderators: 'Aber bis sich das mal durchsetzt, wird es wohl noch eine Weile dauern'!

Unterstellt, der Moderator meint die Einführung des Systems flächendeckend in Deutschland, stellen sich mir folgende Fragen:
Bei 90% Wassereinsparung im Haushalt, wer liefert uns dann die fehlenden 10%?
Und zu welchem Preis?
Wieviel Geld muss ich in das System investieren, und wie hoch sind die laufenden Folgekosten für Energie, Wartung, Instandhaltung etc.?
Wie sieht überhaupt die Energiebilanz aus?

Die Technik ist sicher interessant und hat ihren Reiz. Aber ist alles, was machbar ist, auch sinnvoll?

Man stelle sich nur den Aufwand vor, den es braucht, um diese Technik in unseren Großstädten flächendeckend einzuführen und umzusetzen. Wer soll das finanzieren? Wer soll den Rückbau der vorhandenen Infrastrukturen finanzieren? Es gibt so schon genügend Probleme in der öffentlichen Wasserversorgung unserer Großstädte durch den sinkenden Wasserverbrauch, verursacht durch die demographische Entwicklung und das steigende 'Wassersparbewusstsein' in der Bevölkerung und wassersparende Betriebsweisen in der Industrie.

Innovationspreis hin oder her. Die Technik ist sicher gut und brauchbar in Gebieten mit Wassermangel und unterentwickelter Infrastruktur hinsichtlich Ver- und Entsorgung. Aber kann sich die Bevölkerung dort so ein ausgereiftes technisches Systemk überhaupt leisten? Und ist dort die notwendige Energie uneingeschränkt verfügbar?

Bei RTL2 wird uns suggeriert (jedenfalls meiner Meinung nach), dass diese Technik auch (und besonders?) für uns in Mitteleuropa der Stein der Weisen ist.

Mal drüber nachdenken empfiehlt

Hein




Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 1
Gast (Walter Wied)
(Gast - Daten unbestätigt)

  31.07.2006

Hallo Hein!

Sparen hört sich immer gut an und wenn es um das kostbare Nass geht noch besser. Also läßt sich das Thema journalistisch gut vermarkten und auch Geld damit verdienen. Aber man sollte, wie so oft im Leben, erst einmal fragen "was will ich und was macht Sinn".

Will ich mit dem Wasser-Sparen ein Geld-Sparen verbinden, komme ich in Deutschland meist nicht weit. Bis zu 80 % der Kosten der Wasserversorger sind hierzuland fix (Personal, Unterhalt von Leitungen ...). Die restlichen 20 % (Energie, Wasseraufbereitung ...)beeinflusse ich mit dem Sparen. Was macht wohl das Wasserversorgungsunternehmen, wenn der Wasserverbrauch sinkt und seine Kosten nahezu gleich bleiben? Es erhöht natürlich die Preise und dann war mein Sparen so etwas wie der berühmte Schuß in den Ofen.

Will ich mit dem Wasser-Sparen eine Resourcen-Schonung betreiben, so gibt es weltweit sicher Gebiete in denen dies sinnvoll ist. Sieht man sich wiederum Deutschland an, so ist hier überwiegend ein Wasserüberschuss vorhanden. Das heißt, die Niederschläge und die Grundwasserneubildung übersteigen deutlich die Entnahme, von lokalen Situationen abgesehen. Also ist bei uns Wasser-Sparen nur in bestimmten Regionen angebracht.

Noch ein (deutscher) Aspekt. Unsere Ver- und Entsorgungssysteme existieren weitgehend. Sie sind vielerorts auch für Notfälle ausgelegt, beispielsweise die Löschwasserversorgung. Verbrauchen alle weniger Trinkwasser, so steigt dessen Verweilzeit im Leitungsnetz an. Die Folgen davon (Anreicherung von Keimen, Korrosionsprodukten ...)sind bestens bekannt. Um Probleme auszuschließen, spült dass das Wasserversorgungsunternehmen die Leitungen. Wer glaubt, das Wasser dafür muß nicht gefördert werden, sei gratis und das Personal beim spülen arbeitet "für umme", lebt wohl auf Wolke sieben.

Fazit des Ganzen kann doch nur sein, selbstverständlich Wasser-Sparen sofern sinnvoll, aber um jeden Preis, nein!!!

Viele Grüße und kein schlechtes Gewissen beim Duschen und Rasen bewässern.
Walter  



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