Startseite
Telefonbörse
Telefondatenbank (Betatest)
Telefon Forum
   mehr als 8000 Themen und 49600 Antworten
Zurück zur Übersicht!
Kategorie verlassen!
  Datenschutz FAQ Hilfe Impressum  



 

Kategorie: > Sonstiges > Historie
Klingelton von Telefonen in alten Kinofilmen
Gast (Thomas WK)
(Gast - Daten unbestätigt)

  23.12.2005

Liebe Bastlergemeinde,

als Liebhaber alter Telefone und alter Kinofilme freue ich mich natürlich über jeden waschechten W28 oder W38 im Bild und horche bei Wähl- und Klingelgeräusche natürlich genauer hin. Dazu meine Frage an die historischen Experten im Forum:

In deutschen Filmen vor 1945 klingt das Telefonläuten fast immer so:
Klingeling/Pause/Klingeling/laaaaaangePause/Klingeling/Pause/Klingeling/laaaaaangePause...., also ähnlich wie das zweimalige Läuten von Internrufen in Nebenstellenalagen, bloß mit einer "längeren kurzen Pause" zwischen dem Läuten.

Das führt mich zu der Frage: War das Rufsignal zu Reichspost-Zeiten wirklich anders als heute, oder sitzt da jemand in den Studiokulissen und ruft über die Studio-Telefonanlage im Set an? Spricht vieles dafür, zumal häufig Telefone mit Erdtasten zu sehen sind - auch wenn die Szene gerade in der klitzekleinen Singlewohnung spielt.  Das ist, zugegeben, ein banales Detail, aber ich würde mich über eine Antwort freuen.

Grüße von Thomas



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 11
Stefan163
(Mailadresse bestätigt)

  12.12.2013

Der Beitrag ist zwar sehr alt.
Und trotzdem möchte ich kurz darauf eingehen.
In Filmen hatte man schon auf Realismus diesbezüglich geachtet, wie bei vielen Details. Auch bei der Apparateauswahl kommen nicht nur RTV Modelle vor, sondern gerne "Luxusmodelle" und formschöne Fuld Geräte.

Was die Ruftonfolge angeht,Ich konnte es auch nicht glauben, in einem ziemlich original erhaltenen 22er Amt im Osten gab es tatsächlich diese Ruftonfolge "Ruf 2x in kurzem Abstand, lange Pause Ruf zweimal in kurzem Abstand, lange Pause 2 mal Rufton kurzer Abstand" ...
Ein älterer Postkollege erklärte dem jungen Ing. dann, das hat es so in den 30er Jahren gegeben, und wäre hier nie umgestellt worden. Das geht eh in den Schrott... .
Also war das eine reale Ruffolge, nicht nur in England.

St.
Gast (Kai Abrell)
(Gast - Daten unbestätigt)

  19.11.2011
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Stefan Roth vom 23.12.2005!  Zum Bezugstext

Ich habe beim Theater noch Regisseure erlebt, die mir unbedingt beibringen wollten, dass ein Telefonklingeln mittels Taster und Haustürklingel und entsprechendem Rhytmusgefühl des Technikers zu erstellen seien. Das scheint früher tatsächlich nur so gemacht worden zu sein. Ich habe natürlich eine Tonspur auf CD genommen.
www.erel.de
erelerel.de
(gute Seele des Forums)

  21.01.2006
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Thomas Göbel vom 21.01.2006!  Zum Bezugstext

...dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen, außer, daß

der (fachlich richtig so genannte) "1. Ruf" insbesondere verhindern sollte, daß bei doppelt gerichteten Amtsleitungen von Nebenstellenanlagen eine ankommende Verbindung (die ja das Amtsleitungsanschlußorgan erst durch das Rufsignal belegen konnte) mit abgehenden Verbindungen kollidierte.

Das dann im normalen 10-s-Takt erfolgende "Klingeln" wird als "Weiterruf" bezeichnet, der Abstand zwischem 1. und Weiterruf war zufällig zwischen praktisch wenigen Millisekunden bis maximal knapp neun Sekunden - abhängig von der Stellung der 10-s-Nocke an der Ruf- und Signalmaschine.

Um auf die ursprüngliche Fragestellung nochmals kurz zurückzukommen:

Im klassischen Film, Theater; Fernsehspiel etc. wurde "Live-"Telefonklingeln in der Regel durch einen Regieassistenten oder Requisiteur mittels sog. "Klingelkästen" erzeugt. Diese enthielten neben einer Batterie eine Anzahl verschieden klingender Wecker, Summer usw. Leider läuteten Telefonone dadurch oft mehr wie Türklingeln.

Bei Synchronisationen (fremdsprachige Filme, oft auch bei Kinofilmen ohne Originaltonaufnahme) wurden zur Mischung Bänder mit aufgezeichneten echten  Klingeltönen angelegt.

Die Verwendung von Nebenstellenanlagen der Studios zum Erzeugen von Live-Klingeln scheint mir sehr unwahrscheinlich.  

MfG Ralf
www.erel.de

Dieser Beitrag wurde nachträglich editiert!
Thomas Göbel
thomas.goebelpriteg.de
(Mailadresse bestätigt)

  21.01.2006
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Peter Heinrich vom 20.01.2006!  Zum Bezugstext

Peter Heinrich frug:
> Könnte es sein, dass die kürzere Pause nur zwischen
> dem ersten und dem zweiten Klingeln ist ? Und danach
> immer gleich lange Pausen ?

...das war der sogenannte "Vorruf". 0,8s bis 1s Rufsignal (und für den RT auch Tonsignal: Freizeichen!), das direkt beim Belegen des GT ausgesendet wurde. Grund:
Die Ruf- und Signalmaschine läuft ja frei, ohne zeitlichen Bezug zu den Vermittlungsvorgängen. Ohne Vorruf hätte es bis zu 7s dauern können, bis ein gerufener Teilnehmer (GT) merkt, daß jemand bei ihm läutet. Hinge der GT in dieser Zeitspanne aus, um ein gehendes Gespräch zu führen, käme es zu den schönsten Verwirrungen ("...habe ich Sie angerufen?" "Nein, SIE haben mich angerufen...").
Deshalb der Vorruf. Heute, in der digitalisierten Zeit, gibt es solche Anforderungen in gleicher Weise - nur werden diese mit anderen Mitteln gelöst.
Norbert A.
nobby.agmx.de
(Mailadresse bestätigt)

  20.01.2006
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Peter Heinrich vom 20.01.2006!  Zum Bezugstext

Hallo Peter,

> Könnte es sein, dass die kürzere Pause nur zwischen
> dem ersten und dem zweiten Klingeln ist ? Und danach
> immer gleich lange Pausen ?

an das erinnere ich mich noch sehr gut. Es verschwand bei der Einführung der digitalen Vermittlungstechnik.

Gruß, Norbert

Gast (Peter Heinrich)
(Gast - Daten unbestätigt)

  20.01.2006

Könnte es sein, dass die kürzere Pause nur zwischen dem ersten und dem zweiten Klingeln ist ? Und danach immer gleich lange Pausen ?

Dann wäre es mit dem "ersten Klingeln" zu erklären, das nicht von der RSM kam, sondern sofort nach dem Durchschalten des Anrufs von der Teilnehmerschaltung erzeugt wurde. Damit konnte eine Beschleunigung des Verkehrs erzielt werden, denn ansonsten hätte es sein können, dass "das Klingeln mit einer Pause anfängt".

Gruß Peter
Norbert A.
nobby.agmx.de
(Mailadresse bestätigt)

  20.01.2006
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Thomas WK vom 20.01.2006!  Zum Bezugstext

Hallo Thomas,

vielleicht meldet sich ein älterer Forumsteilnehmer, der sich an die Klingelton-Rufabstände der Reichspost erinnern kann.

Mir fehlen dazu "ein paar" Jahre ;-)

Gruß, Norbert
Gast (Max)
(Gast - Daten unbestätigt)

  20.01.2006
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Thomas WK vom 20.01.2006!  Zum Bezugstext

Möglicherweise war das auch ein Bühnenarbeiter, der $irgendein_gerät bedient hat, das den gezeigten Apparat hat klingeln lassen. Irgendein Zwischenumschalter, ein Kurbelinduktor oder ein Selbstbau aus Trafo und Taster.

Ich kann mir irgendwie schlecht vorstellen, daß in einem Studio ein echter Telefonanschluß lag...
Gast (Thomas WK)
(Gast - Daten unbestätigt)

  20.01.2006

Liebe Bastlergemeinde,

jetzt muß ich dieses Thema doch noch einmal aufgreifen. Nein, ich meine nicht Filme von heute die in alten Zeiten spielen, auch nicht ausländische Filme mit deutscher Synchronisation, sondern deutsche Tonfilme die zwischen 1930 und ca. 1945 entstanden sind. In den Dreißgern wurde der Ton im Studio immer 1:1 zusammen mit dem Bild aufgezeichnet (nur die Außenaufnahmen wurden häufig nachsynchronisiert), also sind alle Geräusche "echt". Und da ist eben häufig das Klingelzeichen zu hören wie von mir beschrieben: Klingel-Kurzepause-Klingel-Langepause-Klingel-Kurzepause-Klingel-Langepause. Ihr müßt mal darauf achten. Die Frage ist: Wie kommt es zustande? Ist das ein Internruf oder ein Amtsruf der Reichspost?

Grüße von Thomas
Norbert A.
nobby.agmx.de
(Mailadresse bestätigt)

  23.12.2005

Hallo Thomas,

oftmals wurden diese Filme (und werden auch heute noch) erst im Synchronstudio aufwändig nachvertont (ich sprach selbst schon synchron), dort kommen auch erst die Geräusche teilweise aus dem Tonarchiv dazu. Wie Stefan schon schrieb, auf Richtigkeit kann man sich dabei nur sehr bedingt verlassen. Der Tontechniker muß sich schon mit der Materie auskennen.

Auch bei den Requisiten werden öfter Fehler gemacht, z.B. Apparate eingesetzt, die es zu dieser Zeit noch gar nicht gab oder reine Nebenstellen-Apparate waren. Hauptsache ein schwarzes Telefon, schwarz = alt ;-) Nach dem Motto: Dem Zuschauer fällt das eh nicht auf. Ist aber in den meisten Fällen auch so.

Allerdings in einem sehr bekannten Antikriegs-Kultfilm ("Die Brücke" von Bernhard Wicki, D 1959) kommt ein bayr. "Kuhfuß" von Merk Telefonbau vor. Dieser läutet wirklich authentisch, dazu mit 25 Hz und gleichmäßigen Rufton-Abständen.

Gruß und schönes Fest

Norbert
Stefan Roth
(Mailadresse bestätigt)

  23.12.2005

Hallo, Thomas,

ist das nicht das typisch englische Läuten, das Du meinst? - In Filmen wurde nicht unbedingt Wert auf Authentizität des Telefonklingelns gelegt. Manchmal wurden auch Klingelzeichen genommen, die überhaupt nicht zu dem Telefon passten. - Es gab sogar 611er, die sich in Filmen mit Tonruf meldeten... :-)

Gruß Stefan Roth



Werbung (2/-2)


Zurück zu Wasser.de
© 2001 - 2018 by Fa. A.Klaas