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Kategorie: > Öffentliche Fernsp., Münztel., Kartentel., ...
Warum keine OZZ in Berlin West
Christoph Lauter
(Mailadresse bestätigt)

  10.02.2017

Hallo,

weiß eigentlich jemand, warum bei Einführung der OZZ in Westdeutschland diese nicht auch in Berlin (West) eingeführt wurde? Es hätte im folgenden ja die Abrechnungsweise, insbesonders bei Münztelefonen, vereinheitlicht. Waren das rein politische Gründe oder evtl. technische (Motto: Gespräche von Berlin (West) nach Berlin (Ost) waren möglich und galten als Ortsgespräch, für eine OZZ hätte aber das ostberliner Netz geändert werden müssen)?

Vielen Dank für mögliche Antworten.

(Übrigens: wie war das in Österreich mit der OZZ?)

Christoph



Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 4
Dietrich Arbenz
dietargmx.net
(Mailadresse bestätigt)

  12.02.2017

Hallo,

man muss das Ganze auch wirtschaftspolitisch sehen: Die Ortszeitzählung (OZZ) wurde in der Bundesrepublik gleichzeitig mit dem Nahdienst eingeführt. Warum?
Die Ortszeitzählung sollte den Missstand bekämpfen, dass überlange Ortsgespräche Amseinrichtungen blockierten, u. a. auch bei Daten-Dauerverbindungen, ohne dass entsprechende Einnahmen dieser Belastung gegenüberstanden.
Ob der vielberedete Extremfall (Tante Emma ruft morgens Tante Paula an, nach einer halben Stunde legen beide den Hörer zur Seite, um ihn zur verabredeten Zeit um 12 Uhr wieder aufzunehmen, um weiter zu ratschen) wirklich eine Rolle spielte, sei dabei dahingestellt.

In jedem Fall bedeutete jedoch die OZZ eine wirkliche Verteuerung für Otto-Normalverbraucher. Um diese Verteuerung auszugleichen, gleichsam als Bonbon, kam der Nahdienst, der es ermöglichte, alle direkt benachbarten Ortsnetze, die bisher nur zu Ferngesprächsgebühren erreicht wurden, ebenfalls zu den OZZ-Ortsnetzgebühren zu erreichen.Damit war gleichzeitig das wirkliche Ärgernis aus der Welt geschaft, dass ein Gespräch über die Ortsnetzgrenze hinaus zum 100 m entfernten Nachbarn immer ein teures Ferngespräch war.

Nun gab es aber in West-Berlin keine benachbarten Ortsnetze; die waren schließlich als DDR Ausland.

Daher wäre in West-Berlin die Einführung der OZZ eine unbillige Härte gewesen, und drum führte man sie dort eben nicht ein.

Übrigens war die Einführung der OZZ technisch immer mit der gleichzeitigen Einführung des Nahdienstes verbunden - in der Industrie sprachen wir immer von OZZ/Nahdienst.

Gruß  Dietrich
Detlef Genthe
posttelegenthe.de
(Mailadresse bestätigt)

  12.02.2017

also, die Vermittlungsstellen Ost und West waren eh nicht mehr vermascht, die Kabel oft gekappt.
Die Verbindung lief eh über Fernvermittlungsstellen. 849 von Ost nach West (ich glaube, 064930 ging auch) und ziemlich teuer.
0372 (037=DDR) von West nach Ost. Dort zum Ortstarif, aber nicht als richtige Ortsverbindung,  sondern halt Fernverkehr zum Ortstarif.
Bleiben also politische Gründe.
Wählamt Kleinbaumgarten
(Mailadresse bestätigt)

  12.02.2017
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Johann Hartl vom 11.02.2017!  Zum Bezugstext

Vielleicht mein Senf dazu:

Vorweg: eine technische Änderung der Vermittlungsstellen in Ost-Berlin wäre kaum erforderlich gewesen, da dort ähnliche bzw. gleiche Systeme wie in West-Berlin zum Einsatz kamen. Die Gesprächszählung erfolgt(e) sowohl bei der einen Gesprächszählung wie auch bei der OZZ durch Anlegen des Beginnzeichens durch die erreichte Endvermittlungsstelle.

Nun zur Frage der österreichischen OZZ: Hier wurde mit erfolgreichem Wählen der ersten Ziffer der Rufnummer die Zählung veranlaßt. Ein reines Abheben des Hörerrs führte beim Wählsystem 48 (und den auf die Kriterien des Systemes 48 umgebauten Systemen 29 (ON LINZ u.a.) und 40 (ON ZISTERSDORF u.a.) noch nicht zur Zählung, ebenso nicht, wenn als erste Ziffer eine unbeschaltete Dekade gewählt wurde und der I. Gruppenwähler daher auf den Besetztschritt durchdrehte.

Die Abgabe der erwähnten ursprünglich 36 Sekunden (später 72 Sekunden) erfolgenden Ortstarifimpulse erfolgte zentral und war vom Gespräch bzw. dem Wählvorgang unabhängig, es konnte also passieren, daß man ein kurzes Gespräch kostenlos abwickeln konnte, andererseits man schon bei der Wahl den ersten Impuls abbekam. Insgesamt stellte das die Verwaltung als aufkommensneutral dar und begründete diese Zählweise damit, daß man damit auch die Abnutzung und Belegung der Einrichtungen abgegolten haben wollte.

Es seien noch einige Besonderheiten angemerkt:

Aufgrund dieser Zählweise war es nicht möglich, (gänzlich) kostenlose Gespräche zu führen - also damit war die Unterdrückung des Beginnzeichens ("Zählunterdrückung") eigentlich sinnlos;

Die Zählung erfolgte betreffend der OZZ immer lokal, auch bei Ferngesprächen - hier wurden die zusätzlichen Impulse von der Fernvermittlungssteite eingespeist und an den I. GW rückübertragen. Das erforderte dann allerdings aufwendige Synchronisierungen, damit Orts- und Ferntarife nicht zusammenfielen.

Die Abgabe der zusätzlichen Ferntarifimpulse erfolgte mit Melden der Gegenstelle; legte der (Fern-)Gerufene zuerst auf, dann lief ab da die OZZ weiter, die Ferntarife entfielen jedoch.

Sowohl die Orts- wie auch die Ferntarife konnten dekadenunabhängig durchgegeben werden, die aufwendigen Schaltungen bei der Einführung des Selbstwähldienstes, wo die Dekade 0 (SWFD) bzw. 9 (Städteschnellwahl) waren daher nicht erforderlich, es konnte daher auch beispielsweise "ab ovo" auch die Dekade 1 (die hierzulande eigentlich nie für Teilnehmernummern verwendet wurde) für höher zu tarifierende Nummern, beispielsweise 118 - höherpreisige Auskunftsdienste - verwendet werden.

Noch eine Anmerkung: Der an das Wählsystem 48 angeschlossene Teilnehmer war (abgesehen von Gesprächen, die das Fernamt abwickelte) immer auch als Gerufener vom Zustand der Verbindung unabhängig. Möglich machte das das Kriterium der "Selbstfreischaltung":

Legte der rufende Teilnehmer nicht zu Gesprächsschluß auf, so konnte dennoch der Gerufene zunächst auflegen und er konnte sofort eine neue, eigene Verbindung aufbauen; der Rufende bekam dann Schlußkennzeichen und Besetztton - die in den deutschen Systemen zusammen mit der OZZ nachgerüstete Freischalttechnik war daher nicht erforderlich.

Lediglich bei Fernamtsgesprächen war der Gerufene gleichsam "gefangen", um das Leistungsmerkmal des Nachrufens zu ermöglichen. Das kam, vornehmlich weil bei handvermittelten Gesprächen auch der Abschnitt des Gesprächsanmelders im Rückruffervahren geschaltet wurde, recht oft zum Einsatz.

Johann Hartl
jhjh9.de
(Mailadresse bestätigt)

  11.02.2017

Info zur Zählung in Österreich:

Hier wurde schon immer nach Zeit gezählt

weite Infos siehe:
Link: http://www.bayern-online.com/v2261/artikel.cfm/203/Gebuehrenzaehler-Oesterreich.html

Beste Grüße
JH



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