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Kategorie: > Technische Fragen - Anschlußprobleme, TK-alagen etc.
Siemens-Protos Tischstation für 2 Amtsleitungen ?
countryman
(Mailadresse bestätigt)

  02.05.2019

Hallo, diese Tischstation im "ZB/SA 24 Look" hat mich gefunden ;-).
Das Gerät ist offenbar ein echter Scheunenfund, alles sieht stimmig, original und vor allem ziemlich vollständig aus. Reichlich Patina ist auch vorhanden, aber "kaputt" scheint erstmal nichts zu sein.
So weit bin ich gekommen:
-Protos war ein Schweizer Werk, das 1922 von Siemens übernommen wurde. Der Standort Albisrieden/CH besteht noch. Unter der Marke Protos wurden noch jahrelang bestimmte Siemens-Artikel vertrieben, möglicherweise auch Mietanlagen. Die Namensähnlichkeit zu "Siemens/Protos" Automobilen ist zufällig
-Trotz der Ähnlichkeit mit den Modellen 19 oder 24 ist das Gerät jünger, der Kondensator ist 26 datiert. Auf 26 findet sich auch ein Hinweis im Kabelplan. Die Sprechkapsel ist"3?" gestempelt (zweite Ziffer unleserlich). Der Nummernschalter ist ein N30.
-Es gibt 2 Schauzeichen und 2 wechselseitig rastende Schalter sowie einen weiteren Schalter. Alle Schalter rasten beim Auflegen aus. Beim Abheben wird erstmal kein Kontakt betätigt, erst beim Drücken der einzelnen Taste.
-Die Anschlussdose fehlt leider! Daher sind die min. 15 Adern schwierig zuzuordnen, wie auch der Kabelplan für mich nicht übermäßig verständlich ist. Das zusammengefaltete Zettelchen im unteren Kasten ist leider ein leeres Blatt.

Wie wird das Gerät bedient und wozu diente es genau? Kann ich es anschließen und als "normales" Telefon benutzen?
Vielen Dank und Grüße, Dietrich





Anzahl der unterhalb stehenden Antworten: 8
countryman
(Mailadresse bestätigt)

  04.05.2019
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Thomas Göbel vom 03.05.2019!  Zum Bezugstext

Naja, dass Siemens sich durch die erfolgreiche Konkurrenz "gestört" fühlte ist nachvollziehbar, aber war es wirklich eine "Marktstörung"?
Interessant ist, dass Wikipedia mit Bezug auf Siemens nur den Fahrzeughersteller Protos kennt, weder die Schweizer "Telephonwerke AG" und schon gar nicht das Mietgeschäft. Bei den Automobilen taucht sogar das fünfeckige Logo meines Telefons auf! Dies ist ganz sicher ein Fehler, denn das stilisierte Haus (Fünfeck) deutet m.E. auf (Haus-)Telefone. Zu der Produktionszeit meines Telefons war die Automarke auch schon erloschen.

Ich habe heute ein primitives Klemmbrett gebastelt und mit Hilfe der Tipps das Kabelgewirr sortiert. Nur eine Ader ließ sich nicht auffinden, es war aber noch eine Reserveader frei und konnte stattdessen angeschlossen werden. Wenige Adern mussten verlängert werden. Dafür konnte der historische Kabelabbund belassen werden. Ich führte zu Testzwecken mein "Amt" (=Fritzbox) über das Schauzeichen, dieses zeigt nun die Belegung an. Man könnte je Amtsleitung auch noch ein normales Telefon als Zweitapparat nachschalten, dieses allerdings nicht von hier aus anrufen. Dazu wären Nebenapparate mit Umschalter nötig. Als interne Wählanlage könnte man ja jede normale Nebenstellenanlage verwenden...
Egal, die Funktion ist voll gegeben und gut zu demonstrieren. Man könnte jetzt noch mehr Konnektivität schaffen - eventuell schlachte ich dafür meinen alten DSL Splitter und nutze die Buchsen ;-)

Der Nummernschalter ist wohl doch ein N28. Der Ziffernring ist leider sehr verkratzt, kann man so etwas restaurieren? Die 1 wählt auch nicht einwandfrei an der FB.  Die 1 wird manchmal als Flash erkannt. Vermutlich muss ich die Feder nachspannen. Die Kraft ist deutlich geringer als bei meinen beiden N30, die besser wählen, obwohl die Gesamt-Ablaufzeit fast gleich ist. Scheinbar läuft dieser zu langsam an, trotz Reinigen und Ölen.


Thomas Göbel
thomas.goebelpriteg.de
(Mailadresse bestätigt)

  03.05.2019
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von Dietrich Arbenz vom 03.05.2019!  Zum Bezugstext

Das "ich denke" ist völlig unnötig, lieber Dietrich Arbenz:

Die Geschichte des Siemens-Mietgeschäfts als von außen erzwungene Reaktion auf die von Fuld (ohne "dt", bitte!) erfolgreich betriebene Marktstörung des Privatgeschäfts ("disruptiv market") ist in Georg Siemens, "Geschichte des Hauses Siemens", Bd. 3, ab S. 45 gut belegt.

Lediglich die Verwendung des Markennamens "PROTOS" spart der Autor aus - er ergänzt allerdings eine Anekdote, in der beschrieben wird, wie am gleichen Tag zwei Vertriebsteams des Hauses Siemens den potentiellen Kunden mit den jeweiligen Vorzügen des Kauf- und des Mietgeschäfts zu überzeugen suchten...
Dietrich Arbenz
dietargmx.net
(Mailadresse bestätigt)

  03.05.2019

Hallo,

ich glaube nicht, dass dieser Apparat von dem Protoswerk (später Albisrieden) in der Schweiz gebaut wurde; dagegen spricht allein schon die Kopfleiste rechts oben auf der Schaltung.
Auch hatten Protos-Apparate keine kleine Wählscheibe mit A - K Beschriftung.

Ich denke vielmehr, es handelt sich um einen Siemens-Apparat von Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahren, als Siemens zögerlich begann, in Teilen Deutschlands ein Mietgeschäft unter der Marke Protos aufzuziehen, in Nachahmung von Fuldt, der damals mit seinem Mietgeschäft sehr erfolgreich war.

Gruß  Dietrich (der andere Dietrich, der Autor des einschlägigen Buches über Siemens-Telefone)
Jonny
(Mailadresse bestätigt)

  02.05.2019
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von countryman vom 02.05.2019!  Zum Bezugstext

Halo. Die anderen App hatten ja auch Amtstasten und konnten da mit dem Amt telefonierem. Wenn sie intern über die Hauswählleitung angerufen wurden drückten sie die Amtstaste nach Ankündigung und der Vermittelnde legte auf. Die Hauswählleitung war nur für Intern. Jeder App hatte eine eigene Hauswählleitung. Da wurde in der Hausanlage nichts umgelegt oder übergeben. War nur zur Ankündigung. Ich habe mal gelesen das vor langer Zeit Extern und Intern stärker getrennt werden musste.
Wenn die Amtstaste bei einem anderen App gedrückt ist muß ja das Schauzeichen bei allen Anderen stehen. Darum wird es heraus geführt.
countryman
(Mailadresse bestätigt)

  02.05.2019
Dieser Text bezieht sich auf den Beitrag von www.erel.de vom 02.05.2019!  Zum Bezugstext

Genial erläutert! So langsam blicke ich zumindest ein bisschen durch. Zu diesem Apparat gehörte also noch eine separate Nebenstellenanlage. Über die Details muss ich noch ein wenig nachdenken...
Auf jeden Fall ist die Belegung so wie von Jonny angegeben! Damit kann man schon mal arbeiten :-)
Die Taste RT schaltet die Sprechschaltung dieses Apparats von den Amtsleitungen weg und auf die Rückfrage-Wählleitung. Man konnte hier also Rufe von außen annehmen oder nach außen wählen, dann intern per Nummernschalter eine Nebenstelle erreichen und das Amtsgespräch zu dieser aufschalten.
Es müsste aber auch den Nebenstellen möglich gewesen sein, selbst ein Amt zu holen. Denn sonst hätte man die Sperrzeichen ja nicht nach außen führen, sondern intern verdrahten können?
Den alten Kabelstrang werde ich belassen, einige Verbindungen habe ich schon durchgepiept und sie sind in Ordnung. Ich denke ich werde eine Klemmdose basteln und beschriften.
Erste Tests an meiner Telnet ISDN ergaben dass die Hördose noch recht laut und sogar die Sprechkapsel zumindest nicht völlig tot ist (!). Ich kann mit dem Apparat also zumindest wählen und hören, die Sprechqualität muss ich noch testen...
Kein schlechter Kauf jedenfalls, macht mir viel Freude bisher!
Danke für eure Hilfestellung!
www.erel.de
erelerel.de
(gute Seele des Forums)

  02.05.2019

Das ist eine Sprechstelle einer Reihenanlage für 2 Amtsleitungen und Wähl-Innenverbindungen.

Siemens hat diesen Typ auch "selbst" als sog. "Reihaut"-Anlagen gefertigt, siehe
http://www.erel.de/INH/12/1233200/index.htm,
später auch im W-28-Design mit Lampen-Sperrzeichen, siehe
http://www.erel.de/INH/13/1333200/index.htm

Das Besondere dieses Systems war, daß nicht eine Vielzahl von Linienwählerleitungen an die einzelnen Apparate geführt, trotzdem nicht auf die Vorteile der Reihenschaltung verzichtet werden mußte.
Interne Gespräche werden mit einem (Haus-)Wähler vermittelt, von dort aber keine Amtsleitungen erreicht, diese werden mit den (beiden) Amtstasten belegt. Die Reihenhauptstelle erhält zur externen Anrufsignalisierung (zwei) Wechselstromwecker.

Ich bin mir nicht ganz sicher, welche Funktion die R-Taste hatte, möglicherweise hatte die Haus-Wählanlage keinen automatischen Ruf, so daß die angewählte Nebenstelle manuell gerufen werden mußte.

Reihenanlage siehe:
http://www.erel.de/ALLG/GLOSSAR/reihe.htm
Jonny
(Mailadresse bestätigt)

  02.05.2019

Hallo.
Ich denke auch so, nur bei der RT Taste im oberen Feld denke ich es ist eine Rückfragetaste. Ein extra Nebenstellen wählanschluss mit Nummernschalterwahl für Rückfrage.
Unten RT denke ich es ist eine Erdtaste.
Nehme man das Kabelgedöns was zur Dose ging ab.Dann hast Du etwas mehr Übersicht und keine Berührungen.Die paar Drähte kannst Du auf dem Klemmbrett direkt klemmen.
Klemmbret NR 7. Erstes Amt.
5,11 =a/b kommed
4,10=a/b weiterführend zum nächsten App oder Endwecker
3, 9 = Schauzeichenansteuerrung Amt 1 vom nächsten App.
Klemmbrett 8. Zweites Amt.
5,11 = a/b kommend
4,10 = a/b weiterführend
3 ,9 = Schauzeichen Amt 2
6 , 12 = Rückfragewählleitung
Das waren die ganzen Verbindungen zur Dose.
Zum Testen brauchst Du nur a/b ankommend eine Wählleitung anlegen und a/b weiterführend einen Endwecker.
So ähnliche App sind auch in Erels Telefonsammlung.


Steffen Froeschle kinobauer.ch
kinobauerkinobauer.ch
(Mailadresse bestätigt)

  02.05.2019

Hallo,

ich lese aus dem Plan folgendes raus:

AT1 und AT2   Amtstaste 1 und 2
HU  Hakenumschalter (Gabelkontakt)
RT  Ruftaste
NU  Nummernschalter

Einen Wecker gibt es nicht, dieser ist extern vorgesehen, auch nicht in einem Beikasten. Möglicherweise wurden mit diesem Apparat Markierwecker verwendet, dass man weiss auf welcher Leitung angerufen wird.
Die Schauzeichen zeigen eine Belegung der jeweiligen Amtsleitung an von der «Nebenstelle» oder Anzeige «gehaltenes Gespräch».
Könnte ein Rückfrageapparat sein.



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